Los 700
Ahnenstatue "yene"
Schätzpreis:
3.000 € - 5.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Süd-Molukken, Leti, Indonesien Ost-, 19. Jh.H. 65,5 cm
Holz (Cordia subcordata). Feine alte Statue von der Insel Leti der südlichen Molukken. Statuen dieser Art wurden zu Beginn des 20. Jh. von dem Forscher Riedel gesammelt und sind z.B. im Rautenstrauch-Jost-Museum in Köln zu sehen. Aufgrund der ihnen eigenen Eleganz zogen sie früh die Aufmerksamkeit von Forschern und Reisenden auf sich. Die Komposition ist unverkennbar: Eine Figur mit ausgeprägter Nase (an anderen Objekten fälschlich mit einem Vogel verwechselt) sitzt in entspannter, hockender Haltung mit auf den Knien verschränkten Armen auf einem hohen Sockel. Im Rücken der Figur ist eine Art erhöhter Lehne zu sehen, die in einer eleganten Volute ausläuft. Die Figur, deren Gesicht in eine ausgeprägte, die Züge bestimmende Nase ausläuft, hat einen Kopfschmuck. Der hohe Sockel ist mit Kordel-Kerbschnitt und einem Zapfloch für die Befestigung einer Opferschale versehen. Die Figur stellt nach einer Lesart den Hochgott der Sermata-Archipels dar, der auch als höchster Ahn verstanden wird.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Figuren dieser Art heißen auf Leti und den Nachbarinseln yene und werden aus dem Holz von Cordia subcortata (ein Boretschgewächs) geschnitten. Nach Auffassung der Besitzer bewohnen die „Schatten“ die Statuetten nur eine gewisse Zeit und daher konnten die Figuren nach einer gewissen Zeit veräußert werden. Darauf wurde wieder eine neue angefertigt. Der Kopfschmuck und die Form der Ohrringe reflektiert die Kastenzugehörigkeit des Vorfahren. Auf Leti und den Nachbarinseln werden diese Statuen im oberen Teil des Hauses aufbewahrt, wo eine Luke für sie vorgesehen ist. So kann der Ahne über das Haus wachen. Auf Babar werden die Figuren in Felshöhnen platziert, aus denen sie für bestimmte Anlässe herausgeholt werden. Nach allgemeinem Verständnis besteht der Mensch aus der Kombination von Körper und Geist. Der Geist wird durch den Schatten verbildlicht. Dieser „Schatten“ existiert weiter, auch wenn der Körper schon vergangen ist. Um der Verwandtschaft zu ermöglichen, mit den „Schatten“ des Verstorbenen in Verbindung zu treten, werden Ahnenfiguren in Auftrag gegeben, denen bei bestimmten Anlässen Betelnuss-Opfer dargebracht werden. Dafür kehren die Schatten aus dem Totenreich zurück und wohnen temporär in der Ahnenfigur. Sehr hochrangige Ahnenfiguren (wie diese) tragen als Kopfschmuck den „Hahn, der nie besiegt wurde“ (Ciwi Resresi)


