Mouseover Zoom loading...

Los 702

Götterfigur dema

Schätzpreis:

500 € - 800 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Sepik-Gebiet, Papua-Neuguinea, Sepik (Upper Sepik)
H,. 15,8 cm
Kleine Figur von oberen Sepik, der Yatmul-Kultur zuzuordnen. Die stehende Figur auf einem rudimentären Sockel ist aus mittelhartem Holz geschnitzt und hat eine leicht geneigte Haltung. Sie hat eine ausgeprägte Nasenlochung (Andeutung des Nasenpflock-Schmucks der initiierten Männer). Die Oberfläche ist mit rötlicher Farbe gefasst, die eingeschnittenen Vertiefungen mit Kalkfarbe akzentuiert. Solche Figuren stellen dema-Gottheiten dar, die für die Erschaffung der Nutzpflanzen zuständig waren, meist indem sie ihr Leben bzw. ihren Körper opferten bzw. opfern mussten, woraus dann die Nutzpflanzen entstanden (vor allem die Yams-Knolle, Taro und die Kokospalme). Das dema-Prinzip basiert auf einem Zyklus von Ursprungsmythen, der in Ackerbau betreibenden Kulturen weltweit weitgehende Entsprechungen hat. Holz, gefasst.
Ehemals aus einer bedeutenden süddeutschen Privatsammlung, ab 1975 gesammelt
Altes Etikett vor 1960 beschriftet in blauer Tinte: 57 Neu-Guinea
Eine dema-Gottheit ist ein göttliches Urzeitwesen, das in Lebewesen oder Gegenständen wohnt und aus dessen Körperteilen neue, lebenswichtige Dinge entstehen, wenn es getötet wird. Zumeist handelt es sich um Nutzpflanzen. Ursprung der Vorstellung ist offenbar die Tatsache, dass Knollenfrüchte zerschnitten und eingegraben werden müssen, um aus ihnen neue Früchte zu ziehen, und die Beobachtung, daß aus Tod (organischer Materie) neues Leben wächst. Der Begriff wurde von Adolf Ellegard Jensen (1899-1965) - dem neben Leo Frobenius (1873-1938) bedeutendsten Vertreter der frühen Kulturmorphologie - eingeführt. Das Wort dema entstammt der Sprache und Kultur der Marind-Anim in Süd-Neuguinea.