Los 708
Pfahlelemente (bis, bisj, mbis)
Schätzpreis:
3.000 € - 5.000 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Neuguinea, West-, Irian Jaya, Casuarina, Indonesien / Melanesien (grenzübergreifend). Asmat-Kultur, 20. Jh.L. 215 cm
Sammlung von 6 bisj-Elementen, die zu bisj-Pfählen gehören. Durchbrochen in geometrischen und spiraligen Motiven geschnitzt und koloriert. Die bisj-Pfähle, die bis zu 12 Meter hoch sind, werden bei Zeremonien benutzt, die den Verstorbenen geweiht sind. Jeder Pfahl ist in hohem Masse individuell gestaltet, die Ausgestaltung erlaubt dem Künstler ein hohes Maß an gestalterischer Freiheit. Die flaggenartigen Elemente werden hierbei von einer meist männlichen Ahnenfigur gehalten und verkörpern den Weg in die Oberwelt durch die rites de passage für die Toten (Bestattungsrituale). Meist wird Tod durch feindliche Flüche hervorgerufen. Daher werden die verwendeten Bäume (Mangroven) symbolisch gejagt und gefällt, ein Prozess, der mit der traditionellen Kopfjagd gleichgesetzt wird. Mangrovenholz, polychrom gefasst.
Aus einer bedeutenden süddeutschen Privatsammlung, ab 1975 gesammelt
Das Ahnenpfahlfest, auch (m)bis pokumbu oder emak cem pokmu, ist ein zyklisch gefeiertes Ritual der Asmat, Das Ahnenpfahlfest, auch mbis-Fest genannt, gründet auf der Vorstellung der Asmat, dass die Harmonie im Dorf ernsthaft gestört wird, wenn die Dorfbevölkerung ihren Verpflichtungen zu kultischen Handlungen nicht nachkäme. Auch wird das Anliegen verfolgt, dörfliche Streitigkeiten zu beseitigen und Krankheiten zu vertreiben. Ähnlich dem Maskenfest der Asmat ziehen sich die Festvorbereitungen hierzu über mehrere Monate hin. Sie bestehen aus einer Vielzahl von Zeremonien, die vornehmlich dem Ziel dienen, die durch Verfehlungen (bis weit ins 20. Jahrhundert auch Kopfjagd) in eine „Zwischenwelt“ (ainamipits) verbannten Verstorbenen zu befreien, damit sie ins Reich der Ahnen (safan) eingehen können. Die perpasste Gelegenheit, nach Kopfjagdzügen die Namen der Opfer anlässlich des firauwi-Festes laut auszurufen, wurde als tadelnswert betrachtet. Ebenso war es tadelnswert, wenn ein Krieger selbst Opfer eines Kopfjagdzuges wurde beziehungsweise der schwarzen Magie verfiel. Da zwischen den lebenden Menschen und den jüngst Verstorbenen lediglich eine graduelle Distanz besteht, ist es den Menschen möglich, eine rege Kommunikation zwischen den Welten (diesseitige Welt und Zwischenwelt) zu führen. Die Familienclans gedenken ihrer Verstorbenen daher dadurch, dass sie professionelle Künstler beauftragen, einen Ahnenpfahl zu schnitzen. Den Höhepunkt des Ahnenpfahlfestes bildet das Ausrufen der Namen der im Pfahl Verewigten. In diesem Ritual der Beseelung inkarnieren die toten Seelen in ihren geschnitzten Abbildern und sind noch einmal leibhaftig in ihrem Dorf anwesend. Gäbe man der geschnitzten Figur den Namen einer noch lebenden Person, hätte dies den irdischen Tod und den Übergang ihrer Seele in die Holzfigur zur Folge. Nach dem Fest bringt die Familie ihren Pfahl in die privaten Sagogründe. Mit Nachdruck werden dort die Verstorbenen aufgefordert, ins Reich der Ahnen zu ziehen. Die Angehörigen zerstören die Pfähle mit einer Axt, um einer eventuellen Rückkehr der Geister vorzubeugen, und bedecken sie mit Blättern. Daher sind oft nur die fahnenartigen Elemente erhalten (wie sie hier vorgestellt werden) - Altersspuren


