Los 709
Schwert „kampilan“, „parang landung“, „bada“
Schätzpreis:
2.500 € - 3.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Illanun, Mindanao, Süd-Philippinen (evtl. Borneo / Malaysia), Klinge wohl 15. - 17.Jh., Griff 19. Jh.L. 88 cm
Stahl, Holz, Textil, Haare (Ziege). Dies ist ein historisch bedeutender kampilan hohen Alters, der in dieser Form mit einiger Sicherheit der Ethnie der Illanun zugewiesen werden kann. Die Illanun (auch: Iranun) leben hauptsächlich auf der südphilippinischen Insel Mindanao und im malaysischen Bundesstaat Sabah, der auf Borneo liegt. Sie waren früher als Krieger und Piraten berühmt bzw. berüchtigt.
Die Klinge dieses Schwertes ist sehr alt. Quellen wie der „Boxer Codex“ (16. Jh.) und andere zeitgleiche Dokumente zeigen und erwähnen diese Form, die schon lange nicht mehr gebräuchlich ist. Jüngere kampilan (meist 18., 19. Jh.) sind länger und schlanker. Die Form erinnert noch an die pada aus Sulawesi und den Molukken, die dieselben Ursprünge haben. Der Griff mit den roten Haarbüscheln (eine Reminiszenz an die Kopfjagd in früheren Jahrhunderten) und dem hölzernen Querstück ist jünger (wohl spätes 19. Jh.). Lanun- bzw. Illanún-kampilan wie dieser scheinen eine von der üblichen „Krokodilsform“ abweichende Gestaltung mit einem rückseitig als gerundetem „Auswuchs“ ausgebildeten, ausladenden Knaufteil zu haben, ein Typ, der früher offenbar auch öfter auf Nordborneo (bei den Sundayak) festgestellt wurde und auch auf Sulawesi bekannt war.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Es ist sehr wahrscheinlich, dass der kampilan als Typ auf eine sehr lange Geschichte zurückblicken kann. Erhaltene Goldgriffe aus den Pinoy-Kulturen (um 1000 - 1300) zeigen eine sehr ähnliche Ausprägung mit Querstück, dem mata („Auge“, rundes Zentralelement im Knauf) und dem einseitig ausladenden Knauf sowie dem Querstück. Von den Spaniern wird kampilán erstmals im 16. Jahrhundert für die Bewohner der Visayas und Luzons erwähnt. Auch bei den Lumad-Ethnien Mindanaos werden traditionelle Klingenobjekte oft kampílan genannt. In der Sprache der Kapampangan wird der kampilan auch als talibong bezeichnet. Er wird erstmals im Visaya-Epos Hiligaynon Hinilawod erwähnt, das die mythische Urgeschichte von Panay auf den Zentral-Philippinnen zum Thema hat und zu den längsten oral tradierten Epen der Welt gehört. Eine weitere frühe Erwähnung findet sich im Biag-Li Lam-Ang, einem Iloco-Epos (Luzon) über den Helden Lam-Ang. Letztlich ist der Ursprung des Wortes ungeklärt. Kampilan waren allen südphilippinischen Gruppen - auch T’boli und Bagobo - bekannt, wobei jeweils eigene Ausprägungen in Griff-und Scheidengestaltung (wenn letztere vorhanden, was eher selten der Fall ist) entwickelt wurden. Im indonesischen und malaiischen Großraum ist die Schwertform als parang landung bekannt - Klinge wetter-/altersbedingt stark verrostet


