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Los 711

Axt "sinawit"

Schätzpreis:

900 € - 1.500 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Philippinen, zentrale Cordilleren (Nord-Luzon), kalinga, 19. Jh.
L. 63 cm, B. 43 cm
Stahl, Holz. Große, formal ansprechende Kampfaxt aus den zentralen Kordilleren (Nord-Philippinen). Die Axtform wird üblicherweise mit den Kalinga in Verbindung gebracht (nicht mit dem gleichnamigen historischen Reich von Kalinga in Indien zu verwechseln), die am Chiko-Fluss siedeln. Die Axt hat eine konkave Schneide mit einer lang ausgezogenen Zehe, die ein optisches Gegengewicht zu dem langen Rückenelement bildet. Die Rückseite ist ungeschärft. Die Klinge steckt in einer langen, taillierten Stahl-Tülle, die ihrerseits auf einen Hartholzschaft mit ergonomischer Ausformung aufgeschoben ist. Der Schaftfuß ist ebenfalls durch eine überlappend geschmiedete Stahltülle geschützt. Die sinawit (andere Namen solcher Äxte: pinang, gaman, ligua, aliwa) wird in diesem mittleren Bereich gehalten, der untere Teil dient als Gegengewicht. Waffen wie diese werden üblicherweise einhändig in Kombination mit dem Schild benutzt. Die Effizienz steht außer Frage und war weithin gefürchtet. Für alltäglichen Gebrauch kann der lange Rückendorn in den Boden gerammt und die aufrechtstehende Schneide dann als Werkzeug verwendet werden, etwa zum Spleißen von Rattan oder zum Zerteilen von Obst, Fleisch und anderen Lebensmitteln, die beidhändig die Schneide entlang auf- und abgeführt werden können.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Äxte und Beile sind im südostasiatischen Raum als Waffen weitgehend unüblich, mit Ausnahme der Kalinga, Bontoc und Tinggian der Kordilleren, die allesamt ähnliche Äxte benutzen (von teilweise etwas moderaterer Form). Diese Gruppen werden kollektiv und ethnogenetisch als „Igorot“ bezeichnet („Berg-Leute“). Das schwierige Gelände hat ebenso wie die kriegerische Haltung der Igorot dazu beigetragen, dass sie nie erobert wurden und ihre Sitten und Gebräuche bis zum heutigen Tag aufrechterhalten konnten. Die Einwohner der zentralen Kordilleren haben der spanischen Kolonisierung erfolgreich widerstanden, kämpften effektiv gegen die japanische Besatzungsmacht in Zweiten Weltkrieg und genießen heute gewisse Autonomierechte, was beinhaltet, dass sie ihr eigenes adat, Gewohnheitsrecht pflegen. Die Axt geht ursprünglich wahrscheinlich auf die alt-chinesische ge-Waffe zurück, eine der wichtigsten und in Asien am weitesten verbreiteten Waffenformen, die nach der Han-Dynastie (bis ca. 220. U.Z.) und den damit einhergehenden Heeresreformen außer Gebrauch gekommen ist, aber heute noch allgemein bekannt ist. Die Form hat eine Vielzahl von Klingenformen im südostasiatischen Großraum nachhaltig geprägt. Ge-Klingen waren viele Jahrhunderte lang hochgeschätzte Erbstücke; man findet über 2000 Jahre Exponenten als lokale Heiligtümer in einigen Gegenden Ostindonesiens bis heute