Los 713
Priesterstab "tongkat malehat"
Schätzpreis:
1.500 € - 2.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Sumatra Nord-, Batak (Karo), 19. Jh.L. 155 cm
Holz, Haare (Pferd), Textilband. Ein alter Stab mit starker Patina, der Attribut eines hochrangigen Priesters und Schamanen (datu) der Batak war. Der vollplastisch geschnitzte Stab stellt einen auf einem pferdeartigen singa sitzenden Reiter dar. Der Stab gehört zum Typ tongkat malehat, der sich von den flächendeckend beschnitzten Stäben tunggal panaluan dadurch unterscheidet, dass der Schaft des Stabes glatt ist und lediglich der Oberteil plastisch ausgestaltet ist, dafür jedoch bisweilen sehr opulent und expressiv. Der große Aufsatz ist separat ausgesetzt. Zu Füssen des singa bzw. singa-artigen Pferdes erkennt man rundum eine Reihe von stilisierten Ahnenfiguren, die der Reiter magisch stärken. Darunter befindet sich noch eine hockende Ahnenfigur. Der Haarschopf des Reiters und der hochgereckte Schweif des singa treffen sich im Rücken des Reiters. Der überproportional große Kopf der Hauptfigur ist mit einem Büschel Pferdehaar und einem verblassten roten Tuchstreifen versehen. Angeblich wurden unter dem Band magische Substanzen eingebracht. Aus dem geöffneten Maul des singa hängt in einer unheilabweisenden Geste die zu einem abstrakten Ornament erweiterte Zunge; eine Geste, wie weit verbreitet ist und die man heute wohl am besten von den neuseeländischen Maori kennt. Der Stab hat eine starke organische Patina und scheint längere Zeit benutzt worden zu sein. Er stammt noch aus dem 19. Jahrhundert.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die Stäbe tongkat / tunggal gehören zu den international bekannt gewordenen Zeremonialgeräten der Batak-Priester. Sie mussten, bevor sie ihre magischen Kräfte entfalten konnten, ebenso wie die heiligen Ahnenbildnisse und die Zauberhörner, mit einer geheimnisvollen organischen Substanz (pupuk), die man angeblich aus dem Kopf und anderen menschlichen Körperteilen herstellte, beseelt werden. Stäbe als Rangabzeichen und Insignien metaphysischer Macht sind jedoch nicht spezifisch „batakisch“. Stäbe sind z.B. auch bei Dayak als Rangabzeichen üblich. Sie werden auch bei Iban-Dayak, die ihrer eigenen Überlieferung zufolge aus Sumatra kamen, als Statusabzeichen von älteren Männern und Barden sowie Schamanen getragen. Wahrscheinlich handelt es sich bei den tongkat um den älteren Typ von Stäben, der schon an über 2000 Jahre alten Bronze-Darstellungen aus dem mutmaßlichen Ursprungsgebiet der Batak, Yunnan am Fuße des Himalaya, in erstaunlich ähnlicher Art dargestellt ist


