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Los 716

Holzfigur eines Gefangenen

Schätzpreis:

1.800 € - 2.800 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Sulawesi, Süd-, Tana Toraja, 19. Jh. / frühes 20. Jh.
H. 74 cm
Eine rustikal anmutende Statue oder Plastik aus braunem Holz, die an eine lange vergangene Sitte gemahnt. In vielen Teilen der Welt, darunter auch Indonesiens, war es früher üblich, zu bestimmten Anlässen Opfer darzubringen. Meist standen diese im Kontext der zyklischen Erneuerung von Lebensenergie. Daher wurden bei besonders brisanten Anlässen, z. B bei der Bestattung hochrangiger Personen, im Zusammenhang mit lebenswichtigen Ernten, im Zusammenhang der großen Festivals, die den Zusammenhalt der Clans (der Lebenden und der Toten) und damit das Fortbestehen der Sippen gewährleisteten, und im Zusammenhang mit den wichtigen kollektiven Übergangsritualen Menschenopfer dargebracht. In Sulawesi und anderen Gebieten Indonesiens sind diese seit der Christianisierung oder Islamisierung verschwunden oder haben sich auf Tieropfer verlagert. Zwar hat sich die Wertigkeit derartiger Handlungen schon unter hindu-buddhistischen Einflüssen verlagert, jedoch wurden die Opfer dann im Rahmen der ritualisierten Kriegsführung mit Kopfnahme weitergeführt. Diese Statue stellt einen Gefangenen dar. Die Vierfach-Spirale auf dem rechteckigen Sockel symbolisiert bei den Toraja den Weg aller Lebensenergie in die Unterwelt und - in neuer, umgewidmeter Form - zurück, wobei die entsprechenden Vorgänge durch Schamanen und Clanoberhäupter moderiert wurden. Die Figur trägt das übliche Joch bzw. die Fessel aus Holz oder Rattan an den Handgelenken. Die geschmückten Ohren deuten an, dass es sich um einen ehemals hochrangigen Gegner handelt. Die statische, angespannte Gesichtsausdruck und die Körperhaltung drücken dezent die sich aus der Lage ergebende Verzweiflung aus. Bei Festen und Ritualen vertraten diese Figuren die seit langer Zeit nicht mehr üblichen Gefangenen; Sklaven, die - meist durch Lanzenstiche, Pfeilschüsse und Enthauptung - auf dem Dorfplatz geopfert wurden. Sie waren auch bei Bestattungsfeierlichkeiten aus demselben Grund zugegen. Meist wurden sie nach den Ritualen verbrannt oder fielen der Bedeutungslosigkeit anheim.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt