Los 723
Gruppe Schmuckelemente "taiganja"
Schätzpreis:
1.500 € - 2.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Sulawesi, Süd-, Toraja, 18./19. Jh.L. 5 - 8,5 cm
Buntmetall. Fünf Schmuckelemente der Toraja auf Sulawesi. Im Wesentlichen basieren sie auf einer anthropomorphen Form mit stark hervorgehobener Leibesmitte (am Deutlichsten am oberen Paar erkennbar). Es gibt verschiedene Motive in der Ausarbeitung und die Interpretationen variieren auf Sulawesi von Region zu Region. Zum einen sollen sie Reinheit, Reichtum und Unverwundbarkeit symbolisieren, zum anderen dienen sie als Dekoration an den Stirnbändern der Mädchen für den Übergang ins Erwachsenenleben. Sie waren auch Schmuckstück für adelige Frauen in muslimischen Küstenregionen oder auch Geschenke an die Brauteltern. Für Hochzeiten wurden sie auch in Gruppen an Goldketten als Collier um den Hals getragen. Wegen der magischen Kräfte der taiganja wurden sie in speziellen Schmuckkästen im Haus aufbewahrt.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Es gibt eine Reihe von Interpretationen für die Form der taigania, die grundsätzlich als stilisierte weibliche Geschlechtsorgane anzusprechen sind und Fruchtbarkeit symbolisieren. Die oft aus Kugeln bestehende Gestaltung vor allem im Randbereich und um die zentrale Öffnung (unteres Paar) wird als „menschliche Eier“ angesprochen, während die oft vorhandenen Zacken am Rande (Stück Mitte) verschleiernd als Krabbenscheren oder Reisähren bezeichnet werden. Ursprünglich ist dies wohl eine Abschwächung eines makkara-Hauptes bzw. eines aquatischen Urdrachen mit ausgeprägten Zähnen. Das würde sinnfällig bedeuten, dass ein starkes apotropäisches Symbol - der makkara oder Seedrache, als mythische Ur-Schlange oft auch Addressat des Opfers - das Zentralmotiv der die Geburt verkörpernden Vagina schützt. Taiganja sind mit Heirat und Fruchtbarkeit im Rahmen des adat verbunden. Auch für geschlechtsspezifische Übergangsriten, wie zum Beispiel der Zahnfeilung mokesa bei den Osttoraja, oder als Kriegsamulett sind taiganja von Bedeutung. Besonders aussagekräftig ist dieser Umstand vor dem Hintergrund ihrer vaginalen Form, da die „Lebensbeschaffung“ die Aufgabe des Kriegers ist. Die Travestie-Schamanen Sigi Kaili, im Toraja- und Bugis-Gebiet - und nicht nur dort - eine bekannte Erscheinung, trugen diese Amulette bei öffentlichen Anlässen, bei denen es um Unheilabwehr und zyklische landwirtschaftliche Schutzzauber ging. Im Kontext der „Hochreligionen“ und ihrer linearen Auffassung kosmologischer Vorgänge ging diese Bedeutung etwas verloren, wenn auch Travestie-Schamanen bis heute in ganz Südostasien wegen ihrer Doppelbedeutung für beide Sphären und die Dualität aller Lebensbereiche von besonderer Bedeutung sind.


