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Los 728

Schild ''vasem '' aus Mangrovenholz

Schätzpreis:

600 € - 1.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Papua Selatan (Neuguinea West-, Zentral-, Republik Indonesien), Asmat
H. 160,5 cm
Herausragender, spitz-ovaler Schild vasem der Asmat aus Papua Selatan. Der obere Teil läuft in einen verbreiterten, kappenartigen Aufsatz aus, der als stark stilisiertes Gesicht erkennbar ist, der breitere, untere Teil ist gerundet. Die untere Seite kann bei Kampf- und Zeremonialhandlungen provisorisch auf den Boden gesetzt werden. Die vordere Ansicht ist im tiefen Relief mit abstrakten, asymmetrisch angelegten Formen beschnitzt und mit Ocker gefasst; Reste einer Kalkfärbung in den eingetieften Zwischenräumen sind erkennbar. Der mundartige Zentralbereich des Kopfstücks und die „Augen“ sind schwarz gefärbt. Die eingerollten Motive werden als Gruppierung abstrahierter, anthropromorpher Darstellungen interpretiert, die entweder Opfer der ritualisierten Kopfjagd oder aber Ahnen des Trägers sind. Der Schild zeigt Spuren des Tragens bzw. Benutzens, die möglicherweise intendiert sind (bei Bestattungsfeierlichkeiten wurden die Schilde des Verstorbenen teilweise rituell beschädigt). Die unbeschnitzte Rückseite hat einen Griff. Schilde dieser Art wurden früher bei Stammesfehden zum Zweck der rituellen Kopfjagd getragen, ansonsten werden sie in Männerhäusern eingelagert, werden hoch geachtet und haben die Rolle eines alter ego ihres Besitzers inne. Sie sind stets aus einem Stück gefertigt, meist mit integralem Griff auf der Rückseite. Bei Kämpfen werden sie wegen der Größe und des Gewichts teilweise auf den Boden aufgesetzt. Als Angriffswaffen dienen teilweise aufwendige, mit Wurfbrettern geschleuderte Speere (jukaim, fum), Keulen und Dolche aus Menschenknochen. Die immer mit dem Ahnenkult im Zusammenhang stehenden Motive lassen sich teilweise auf festländisch-austronesische Urformen zurückführen und stellen nach einigen Interpretationen ein mythisches Ur-Dorf oder den Weg des Initianden in die Jenseitswelt und zurück dar. Sie haben teilweise Entsprechungen in Ostindonesien (Maluku). Die materielle Kultur der Jagd und Fischfang betreibenden Asmat zeichnet sich durch aufwendige Schnitzereien und eine Meisterschaft in der Bearbeitung organischer Materialien aus. Alltags- und Ritualgegenstände werden bedeutungsträchtigen Ornamenten versehen.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, erworben in den 1980er Jahren - Partiell Altersspuren und kleine Best.