Los 732
Relieftafel
Schätzpreis:
2.500 € - 3.500 €
Ergebnis:
inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer
Beschreibung:
Indonesien, Timor Ost-, Belu / Tetum, frühes 20. Jh.77 x 35 cm
Holz, Pigmente. Seltene Relieftafel der Tetum auf Timor. Dargestellt sind die Totemtiere einer Familie, rechts die Totemtiere der Frau, links die des Ehemannes. An den beiden Rändern werden die männliche und die weibliche Figur von einem großen Fisch, wahrscheinlich einem Hai, und einem Leistenkrokodil bedroht. Zumindest das Krokodil gilt in weiten Teilen Indonesiens als ein übel gelaunter, unberechenbarer früher Vorfahre bzw. Ahne, der durch regelmäßige Opfergaben zufriedengestellt und besänftigt werden muss. Eine zentrale Rolle spielt die Vielzahl der dargestellten Tiere im Zentrum, die in der mythischen Vergangenheit dem Clan Gutes getan haben und als Kulturbringer gelten. Man darf sie nach dem totemistischen Prinzip daher weder töten noch essen und oft auch nicht berühren. Manche können auch als wiedergeborene Vorfahren gelten. Jeder Clan hat seine Totemtiere. Wenn Mitglieder solcher Clans heiraten, übernimmt der Mann die Totemlinie des Clans. Seiner Frau. Der Forscher Vroklage, der seine Feldforschungen in den 30er Jahren durchführte, beklagte, dass die Verehrung der Totemtiere bereits zu dieser Zeit stark in Vergessenheit geraten sei. Die Tafel, die daher noch vor der Zeit des Aufenthaltes Vroklages gefertigt sein wird, zeigt die Kosmologie noch in reiner, unverfälschter Form. Sie stammt wahrscheinlich aus dem Besitz eines Kepala Adat („Kopf der Tradition“, Familienoberhaupt).
Aus einer alten deutschen Privatsammlung seit den 1950er Jahren gesammelt
Die malayo-polynesischen Tetum (auch Tetun, früher Belu) sind die größte Ethnie Osttimors. Im indonesischen Westtimor bilden sie einen Großteil der Bevölkerung in den Regierungsbezirken Belu und Malaka. Die Tetum bilden mit etwa 450.000 Angehörigen die größte Ethnie Osttimors und mit 500.000 die zweitgrößte in Westtimor. Sie wanderten erst im 14. Jahrhundert nach Timor ein, ihren Erzählungen zufolge aus Malakka. Zuerst ließen sie sich im Zentrum der Insel nieder. Die alte Fremdbezeichnung Belu bedeutet auf Deutsch Freund oder Gönner. Nach dieser wurde in kolonialer Zeit der Osten der Insel Timors als Belu bezeichnet. Charakteristisch für die Tetum-Kunst ist der kosmische Dualismus, die eine axialsymmetrische Gliederung auf den als heilig erachteten Relieftafeln zur Folge hat. Die heilige und als weiblich definierte Unterwelt wird von den Frauen dominiert, während die säkulare und männliche Oberwelt von den Männern besetzt ist. Beide Welten müssen in Verbindung stehen, sonst drohen Unfruchtbarkeit, Krankheit und Tod.


