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Los 1073

Lin Fengmian

Schätzpreis:

20.000 € - 30.000 €

Ergebnis:

42.735 € inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

(1900-1991)
66,5 x 66,3 cm (o.R.)
Dame mit Spiegel neben einer Vase mit Blumen. Tusche und Farbe auf Papier. Signiert, mit Siegel "Lin Fengmian yin".
Malerei einer Frau, die einen Spiegel hält, ist ein klassisches und äußerst repräsentatives Motiv im Werk von Lin Fengmian, das sowohl seinen künstlerischen Stil als auch seine Gefühlswelt widerspiegelt. Im Laufe seiner Karriere kehrte Lin immer wieder zu Darstellungen einsamer Frauen zurück und nutzte sie als Mittel, um Themen wie Selbstreflexion, Identität und stille Melancholie zu erforschen.
In diesen Kompositionen ist die weibliche Figur meist in einem sorgfältig ausbalancierten, oft quadratischen Format platziert. Die Linien sind vereinfacht und dennoch ausdrucksstark und verbinden die Fluidität der traditionellen chinesischen Tuschemalerei mit der strukturellen Klarheit der westlichen Moderne. Der Einfluss von Künstlern wie Amedeo Modigliani lässt sich manchmal in den langgestreckten Formen und stilisierten Gesichtern erkennen, während die Verwendung von Farbe und Komposition Lins Auseinandersetzung mit europäischen Strömungen wie dem Fauvismus widerspiegelt.
Der Spiegel selbst spielt eine wichtige symbolische Rolle. Anstatt lediglich als Objekt der Eitelkeit zu dienen, suggeriert er oft Reflexion in einem tieferen Sinne - einen Blick nach innen, einen Moment der Selbsterkenntnis oder sogar ein Gefühl emotionaler Distanz. Die Frau wird häufig allein dargestellt, in ihre eigenen Gedanken versunken, was ein Gefühl der Stille vermittelt, das von Einsamkeit durchzogen ist. Diese emotionale Qualität ist ein Markenzeichen von Lin Fengmians Werk und steht in engem Zusammenhang mit seinen eigenen Lebenserfahrungen, darunter Zeiten der Not und Isolation.
Die Farbgebung in diesen Gemälden ist zugleich zurückhaltend und ausdrucksstark. Sanfte und zugleich kontrastreiche Töne dienen eher der Stimmungserzeugung als dem Realismus, während der Pinselstrich sparsam bleibt und auf unnötige Details verzichtet. Die Gesamtwirkung ist geprägt von einer Harmonie zwischen Ost und West: Es kommen westliche Kompositionstechniken zum Einsatz, die jedoch von der poetischen Sensibilität und spirituellen Tiefe der chinesischen Kunst durchdrungen sind.
Solche Gemälde veranschaulichen Lin Fengmians umfassendere künstlerische Vision - kulturelle Traditionen zu überbrücken und eine moderne Form der chinesischen Malerei zu schaffen, die universelle menschliche Emotionen anspricht. Das Bild einer Frau mit einem Spiegel, still und nachdenklich, wird nicht nur zu einem Porträt, sondern zu einer Meditation über das Innenleben, was es zu einem der bewegendsten Themen in seinem Gesamtwerk macht.
Aus der Sammlung des Chemikers, Ingenieurs und Direktors der Merck & Co. Heinrich Georg Johann Harms (3.9.1906-28.6.1975) und seiner Frau Eva Harms (10.11.1905-13.10.1998) - Etwas beschnitten, minim. Altersspuren