Mouseover Zoom loading...

Los 19

Museale Historismus Rubin-Diamant-Parure, wandelbar zu einem Blüten-Trembleuse-Diadem, Collier, Brosche und Ohrschmuck.

Schätzpreis:

20.000 € - 30.000 €

Ergebnis:

inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Um 1880
L. 42 cm (Collier)| Blüten Ø 2,1-3,2 cm
750/000 Rot- und Gelbgold (getestet) mit Silber. 49 Rubine in unterschiedlichen Schliffformen zus. ca. 13,50~15,50 ct; Herkunft wohl Burma. Ca. 780 Diamanten in unterschiedlichen Altschliffen zus. ca. 15,00~17,00 ct unterschiedlicher Qualität. Ein Diamant defekt. Drei Diamanten fehlen, zwei lose anbei (0,04 | 0,10 ct). Zwei Diamanten nachträglich ergänzt. Dem Alter entsprechenden Zustand mit minimalen Defekten. Etui, nicht original. Gesamtgewicht 151,4 g. Teils kleinere Reparaturen, die Brisuren und Broschierung im 20.Jh. erneuert.
Seit Generationen im Besitz einer bedeutenden norddeutschen Unternehmerfamilie
Das Collier in Form eines stilisierten Bandes mit naturalistisch gearbeiteten Blütenzweigen, zentral ein Scheifenband, am Collier sind plastische Blütenanhänger in verlaufenden Größen angebracht. Diese und zwei weitere Blüten die als Ohrschmuck gearbeitet sind können auf einen Haarreif geschraubt werden, die Befestigungen sind mit Spiralen versehen, so dass die Blüten leicht beweglich sind und ein Blüten-Trembleuse-Diadem entsteht. Das Schleifenband kann ebenfalls aus dem Collier gelöst werden und auf eine Broschierung aufgesteckt werden und ist dann als Brosche mit oder ohne Blütenanhänger tragbar.
Die einzelnen Blüten könnten mit Hilfe von Haarnadeln auch lose ins Haar gesteckt werden, die Nadeln haben sich nicht erhalten. Ebenso ist zu vermuten, dass es einen zweiten Haarreif gab, auf den man das Collier aufsteckte und es so auch als Diadem mit oder ohne die Blüten tragen konnte.
Die Wandlungsfähigkeit dieser luxuriösen Juwelengarnitur ist ein großartiges Beispiel für die historische Schmuckgestaltung. Dank der vielfaltigen Verwendungsmöglichkeiten ist sichergestellt, dass dieses Schmuckstück so häufig wie nur möglich getragen wurde.
Um 1880 war die naturalistische Gestaltung von Schmuck mit Blüten, Zweigen und Sternen äußerst beliebt. Dies belegen auch die drei datierten Entwurfszeichnungen von Kreuter & Co aus der grafischen Sammlung Stern.
Die in unserem Schmuckstück verarbeiteten Rubine stehen für Leidenschaft, Macht, Lebenskraft und innige Liebe. Seit der Antike gilt der Rubin als einer der wertvollsten und mächtigsten Edelsteine. Seine rote Farbe steht für Liebe und Leidenschaft. Das Rot symbolisiert aber auch Macht und Herrscherwürde, so darf er in keinem Kronschatz fehlen.
Wir danken Herr Stefan Stern, grafische Sammlung Stern, für seine freundliche Unterstützung.
Literatur: David Bennett & Daniela Mascetti: Understanding Jewelry, Woodbridge 1989. Zum Typus vergleiche S. 147, S. 197 bis 200., Diana Scarisbrick: Ancestral Jewels, London 1989. Zum Typus vergleiche S. 119.
Siegeszeichen, Herrschaftssymbol und Fascinater
Die Kulturgeschichte des Diadems
Die altgriechische Bezeichnung „diadema“ heißt übersetzt Stirnbinde und leitet sich von „dia-dein“, dem Umbinden ab. Die Stirnbinde diente in der Antike zunächst als einfacher Kopfschmuck, der das Haar zusammenhielt. Daraus entwickelte sich dann eine Kopfbinde, die man als Ehrenzeichen siegreichen Sportlern überreichte. In der Antike wurde es dann schnell üblich, die Sieger mit einem Lorbeerkranz, dem „kotinos“ oder auf Latein „laurus“ zu ehren. Aus diesem Symbol der Ehre und des Sieges entwickelte sich die Königsbinde, eines der wichtigsten Insignien weltlicher Herrschaft.
Unter Kaiser Diokletian wurde es üblich das Diadem in Form einer Halbkrone als Zeichen der Staatsmacht zu tragen. Unter Kaiser Konstantin dem Großen wird die nun aus goldenen Platten bestehende Königsbinde Bestandteil des kaiserlichen Ornats. Nur der Augustus und die Augusta durften es als Zeichen ihrer Regierungsgewalt tragen. Kaiser Justinian versah das Diadem dann mit einem kronenartigem Kopfbügel. Auch andere Herrscher, etwa in Byzanz, bedienen sich des Diadems als Symbol ihrer Macht.
Noch im Barock und Rokoko wurde das Schmuckstück nur von hochgestellten weiblichen Personen der Aristokratie getragen. Seine große Blütezeit erlebt das Diadem in der Zeit des Klassizismus ab etwa 1800. Zur antikisierenden Mode passte es als wichtiges und zudem stilechtes Herrschaftszeichen perfekt. Kaiserin Josephine besaß eine große Sammlung von prächtigen, reich mit Diamanten besetzten Diademen. Königen Louise von Preußen bevorzugte hingegen schlichte Modelle, oft in Form eines griechischen Tempelgiebels. Im Laufe des 19. Jahrhunderts, nachdem nach und nach die herrschaftlichen Privilegien wegfielen, gewann das Schmuckstück größte Bedeutung als prächtiger und festlicher Kopfputz. Und auch heute ist das Diadem ein viel bewundertes und schmückendes Accessoire, dass bei großen Anlässen und Festen nicht nur ihrer Trägerin Glanz verleiht.