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Los 8

Buchdeckel (untere Platte)

Schätzpreis:

900 € - 1.200 €

Ergebnis:

1.100 € inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Tibet, ca. 12. Jh.
22,5 x 67 cm
Dieser eindrucksvolle Buchdeckel zeigt vier meisterhaft geschnitzte Voluten. Jede ist in feinsten Nuancen unterschiedlich, und aufs Kunstvollste ausgearbeitet. Die Voluten umspielen ein Torana, in dem sich der historische Buddha Shakyamuni befindet. Der Buddha sitzt auf einem Lotos, und ist umgeben von allegorischen Tiersymbolen, die seine Herschafft als Cakravartin hervorheben. Am höchsten Punkt dieser reich gestalteten Nische befindet sich der mythische „Herr der gefiederten Wesen“ - Garuda, eine Schlange im Schnabel haltend. Darunter kann man zwei einander zugewandte Vögel mit buschigen Schwanzfedern erkennen. Nach unten folgen links und rechts zwei stilisierte Widder mit zottigen Schwanzenden. Unterhalb des Lotosthrons kauern links und rechts je ein Löwe, Sinnbild des „löwenstimmigen“ Buddha. Buddha Shakyamuni ist in der Haltung dargestellt, die auf seine Erleuchtung hinweist, mit der rechten Hand und der Geste der Zeugnisanrufung, seine linke liegt meditativ entspannt im Schoß. Ein Perlenrand umschließt das sorgfältig ausgearbeitete Innenfeld. Die Schmalseite (Titelseite) dieser Platte zeigt geschnitzte Halbfiguren die teilweise nur noch rudimentär erkennbar sind. Links ist Vajrapani zu erkennen, dann folgt Manjushri und in der Mitte der vierarmige Avalokiteshvara Shadakshari mit der Mala in seiner rechten erhobenen Hand. Dann folgt die grüne Tara, mit ihrem rechten ausgestreckten Bein, und noch eine nicht mehr deutlich identifizierbare Figur, vielleicht Acala (?). Buchdeckel waren dazu bestimmt eine größere oder geringere Zahl lose übereinander liegender, zweiseitig beschriebener oder bedruckter Buchseiten zusammenzufassen und zu schützen. Die Textseiten, wurden, in ein Tuch einwickelt und mit einem daran befestigten Band verschnürt. Dadurch waren die Buchseiten staubdicht aber nicht luftdicht verwahrt, ein besonders wirksamer Schutz. Dieses Bündel wurde dann zwischen die beiden schützenden, und bei den größeren Formaten auch beschwerenden Buchdeckel gelegt. Die auf diese Weise „gebundenen“ Bücher wurden dann, in den tibetischen Klöstern oder Tempeln, der Länge nach, in jeweils einer dafür vorgesehenen Nische, der oft raumhohen Bücherregale der Bibliothekshallen, aufbewahrt. Diese Buchdeckel wurden zum Teil aufs Kunstvollste geschmückt, geschnitzt, mit Silber und anderen Metallen beschlagen und bemalt, und anderes mehr, und sind heute begehrte Sammel- und Studienobjekte. Hartes Holz, Reste von polychromen Pigmenten und Gold.
Aus einer deutschen Privatsammlung, vor 2007 erworben
Siehe ein Beispiel für die kaum mehr erkennbare farbige Bemalung: Early Tibetan Manuscript Covers; Rossi & Rossi, London, 1996:14. - Etwas best. und berieben