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Los Y1536

Keris-Griff ''danganan'' aus Elfenbein

Schätzpreis:

1.500 € - 2.500 €

Ergebnis:

1.036 € inkl. Aufgeld und Mehrwertsteuer

Beschreibung:

Indonesien, Bali, frühes 20. Jh.
H. 10,5 cm
Figuraler Keris-Griff aus Elfenbein geschnitzt (generische Bezeichnung für figurale Griffe: togog, deling). Basis (Zwinge: selut) aus getriebenem Silber, teil-feuervergoldet) mit eingesetzten Cabochons aus unreinen Edelsteinen. Der Griff stellt die Larve eines Bockkäfers (cocet-cocetan) dar. Die ältesten Griffe dieser Art sind dem frühen 17. Jh. zuzuweisen. Einer davon wird von Robert Hales (Bucvh: „Islamic and Oriental Arms & Armor”) vorgestellt, der Typ ist jedoch sicher älter. Die Käferlarve als Keris-Griff ist heute ein auf Bali beschränktes, vereinzelt auch in Ostjava und Madura anzutreffendes Motiv, das wahrscheinlich mit dem Prinzip der Verhüllung und dem Mythos der verschleierten/verpuppten Gestalt, die ihr wahres Wesen und damit ihre Macht verhüllt, zusammenhängt. Wahrscheinlich ist der Ursprung dieser Symbolik im esoterischen Durga-Kult zu suchen, in dem die Verschleierte Witwe (Shivas shakti Uma/Parvati in schrecklicher Form) als Herrin aller Dämonen die Hauptrolle spielt. Durga (wörtl.: die schwer Zugängliche, die schwer zu Begreifende) ist die wohl populärste Form der Göttin (devi) Parvati im Hinduismus, die in unterschiedlichen göttlichen Erscheinungsformen existiert, gütig oder strafend. Durga ist eine Göttin der Vollkommenheit, die als Sarasvati, Lakshmi, Ambika und Ishvari sowie in anderen Formen erscheinen kann und unter anderem Kraft, Wissen, Handeln und Weisheit verkörpert. Im Tantrismus ist sie shakti, die weibliche Urkraft/Energie des Universums. Auf der Stirn befindet sich das dritte Auge, das man auf diesem Griff am „Käfergesicht“ noch erkennen kann. Durga tritt in ihren zornvollen Manifestationen als Kali oder Chamunda auf. Bekannt ist sie vor allem als Töterin des Erz-Dämons Mahísa, was jährlich im Dashain-Festival im Durga-Puja nachgespielt wird.
Aus einer alten deutschen Privatsammlung, seit den 1950er Jahren gesammelt - Die EU-Verkaufsgenehmigung für dieses Lot liegt vor - Minim. berieben.
Vgl. IFICAH (2015): Götter-Schmiede. Balinesische Zeremonialklingen im kulturellen Kontext. Wohlesbostel - Kam, G. (2011): Balinese Keris. Leiden - Neka, P.W.S. (2010): Keris Bali Bersejarah. Neka Art Museum, Ubud. - Ramseyer, U. (1977): Bali. Leben in zwei Welten. Zürich.